Projekte

Mit Auszubildenden nach Krzyzowa

Wie bereits in unserem Bericht zum Projekt im Jahr 2013 beschrieben, erwuchs bei uns die Idee zu einer Bildungs- und Begegnungsfahrt mit Auszubildenden durch die Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag von Freya von Moltke in Köln. Wir empfanden das Leben der von Moltkes als vorbildhaftund kamen zu der Überzeugung, dass Kreisau ein besonders geeigneter Ort sein könnte, an dem wir eine „Bildungsreise für Bildungsferne“ – also eine Reise mit Jugendlichen, die sonst nicht in den Genuss solcher Angebote kommen, erfolgreich gestalten könnten.

Ziele

Die bewährten und auch evaluierten Ziele sind gegenüber unserer Reise im Jahr 2013 im Wesentlichen unverändert geblieben:

  • Vorbehalte und Vorurteile der Auszubildenden gegenüber unserem östlichen Nachbarland Polen und seinen Staatsbürger/inne/n abbauen

  • Wissen um deutsche, polnische und europäische Geschichte erwerben, insbesondere zum 20. Jahrhundert und zur Zeit des Nationalsozialismus

  • Auseinandersetzung mit Gründen und Formen politischen Widerstands reflektieren

  • Versöhnungsarbeit durch gemeinsames handwerkliches Arbeiten leisten

  • Gemeinschaftserfahrungen machen durch gemeinsames Leben, Essen, Arbeiten und Feiern;

  • Erwerb interkultureller Kompetenzen mithilfe von Methoden aus Bereichen der interkulturellen Kommunikation

Die Jugendbegegnungsstätte in Kreisau hatte sich bereits bei unserem ersten Projekt dort im Jahr 2013 zur Erreichung dieser Ziele als hervorragender Ort erwiesen.

Planung und Vorbereitung

Unsere Schulleitungen haben unserem Vorhaben einer Neuauflage sofort zugestimmt und für die Verhandlungen mit den beteiligten Innungen, Betrieben und Sponsoren unterstützend zur Seite gestanden. Das wurde bei diesem Durchgang besonders wichtig, weil das Vorhaben lange gefährdet schien, nachdem Geldgeber des Jahres 2013 nicht mehr und/oder nur in kleinerem Rahmen zur Verfügung standen.

Erneut hat sich die Begleitung unserer Planungen durch Herrn Joachim Ziefle, Studienleiter der Melanchthon Akademie, bewährt. Er erledigte in vorbildlicher Weise alle planerischen Abstimmungen mit der polnischen Seite und organisierte unseren Vorbereitungsabend für die Teilnehmenden.

Die Fahrt

Nach intensiver Werbung in den Bildungsgängen unserer Schulen traten 22 Teilnehmer/innen (6 w / 16m) die Reise an.

Eine schnelle Kontaktaufnahme zu den Mitreisenden aus der jeweils anderen Schule oder anderen Bildungsgängen war zu beobachten, aucheine große Bereitschaft undOffenheit, sich auf das zu bewältigende, sehr dichte Programm einzulassen (siehe Anhang).

Für uns als Organisatoren war die inhaltliche Anteilnahme unserer Gruppe sowohl auf kognitiver als auch auf emotionaler Ebene entscheidend: bei allen Bildungsangeboten des Aufenthaltes gab es interessiertes Nachfragen und Diskutieren, ein Sich-Einlassen auf die Angebote, die wir oder der pädagogische Mitarbeiter der Stiftung Kreisau vorbereitet hatten:

  • bei der Führung durch Kreisau, wo sich die Gruppe vom „Geist“ der Gebäude inspirieren ließ und sich intensiv mit dem Thema ‚Widerstand’ auseinander setzte;

  • bei der Besichtigung in der Gedenkstätte des Konzentrationslagers „Groß Rosen“, die tiefe Betroffenheit auslöste;

  • bei der gemeinsamen Arbeit auf dem Gelände der Stiftung;

  • bei den Einheiten zum Erwerb interkultureller Kompetenz.

Die gemeinsame Arbeit mit der polnischen Partnerklasse (Schüler eines Berufskollegs aus Czestochowa) war für unsere Schülerinnen und Schüler eine Möglichkeit, so brachten es einige Teilnehmer/innen zum Ausdruck, für die Einrichtung, in der man so großzügig untergebracht war, auch zu arbeiten. Die Renovierung von Sitzbänken, Tischen und Stühlen der Außenanlagen der Stiftung wurde mit großem Eifer und hoher Einsatzbereitschaft durchgeführt.

Hierbei arbeiteten die Teams aus deutschen und polnischen Schülerinnen mit großer Ernsthaftigkeit effektiv zusammen. Nach Aussagen der Hausverwaltung ersparte unser eintägiger Arbeitseinsatz dem technischen Personal in Kreisau etwa dreißig Arbeitstage. Beide Gruppen waren am Ende stolz, ein erkennbares, sichtbares und gelungenes Zeichen ihrer gemeinsamen Arbeit in der Jugendbegegnungsstätte hinterlassen zu haben.

Es zeigte sich dabei, dass für die Jugendlichen Sprachbarrieren kein großes Problem waren. Traten sie dennoch einmal auf, konnten sie, wenn nicht kreativ, dann spätestens durch unsere Übersetzerin, Frau Wanczura (vermittelt von der Melanchthon-Akademie, Köln) überwunden werden.

Der Abschied fiel vielen unserer Teilnehmer schwer – der Abschied von Kreisau mit seinen Angeboten und von der polnischen Partnergruppe, zu der sehr schnell intensive Kontakte geknüpft worden waren.

Fazit

Wir sind dankbar, dass wir dieses Projekt erneut durchgeführt haben. Wir glauben, dass ein vielfältiges Nachdenken in Gang gesetzt wurde: über ein Nachbarland und seine Menschen, über eigene Vorurteile, über die jüngere deutsche Geschichte und ihre Folgen für das Leben im 21. Jahrhundert, über die eigene Verantwortung als junger Mensch im Europa des 21. Jahrhunderts.

Die noch vor der Rückreise durchgeführte Evaluation in der Gruppe brachte durchweg positive Rückmeldungen.

Unsere Gruppe des Jahres 2015 war in pädagogischer Hinsicht schwieriger als die Gruppe im Jahr 2013. Es gab mehr seelsorgerlichen Gesprächsbedarf, wir hatten mehrere Einsätze als Mediatoren zu leisten. Gerade diese Ebene aber hat das Miteinander sehr geprägt und vertieft. Wir erwarten gespannt, wie sich diese Erfahrungen in unserer zukünftigen Unterrichtsarbeit mit den Teilnehmer/inne/n auswirken wird.

Wir möchten allen danken, die uns finanziell unterstützt haben, damit gerade unsere sozial oft benachteiligten Jugendlichen eine solche Fahrt erleben konnten:

der EU-Geschäftsstelle der Bezirksregierung Köln, dem Kirchenkreis Köln-Süd, der Freya von Moltke Stiftung und dem Rotary-Club Köln-Römerturm.

Ohne diese Unterstützer und Sponsoren wäre eine Neuauflage unseres Projektes nicht möglich geworden.

Nützliche Links

EU-Geschäftsstelle Wirtschaft und Berufsbildung der Bezirksregierung Köln
Das Projekt Begegnungs- und Bildungsreise nach Kreisau/Polen wurde durch die EU-Geschäftsstelle der Bezirksregierung Köln unterstützt.